Facebook

Facebook hat mir mein Leben geklaut

Welch Ironie! Facebook, das eigentlich zur Bespaßung und Bereicherung im Leben dienen sollte, hat mich bestohlen. An Zeit, an  Nerven, an Kommunikation, an Empathie und vor allem an realen Momenten. Spätestens nach dem Kauf vom Instagram und Whatsapp hatte der Großkonzern auch alle meine Daten und konnte mich so ausreichend an sich binden. Damit nicht genug. Sie stehlen mir weiterhin Zeit und Nerven und all das, ich lasse es einfach zu. Weil ich darauf trainiert bin. Weil ich die Endorphine durch die Likes brauche, um durch den Tag zu kommen und mich glücklich zu fühlen. Keine Likes = keine Glücksausschüttung = traurig. Und es geht nicht nur mir so.

Wie Social Networks unser Leben beeinflussen

Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als es keine Smartphones gab? Im Dreck spielen, sich mit den Nachbarn treffen, ohne vorher 300 Nachrichten auf Whatsapp auszutauschen und die Eltern mit den coolen Kameras, wo man mindestens 2 Wochen auf die entwickelten Fotos warten musste. Kein Instagram, kein Facebook und kein Whatsapp. Das Leben war kreativ, ohne geteilt zu werden. Das Leben war spannend, ohne mit Werbung vollgemüllt zu werden. Ah ja. Und es gab auch keine Blogs. Ich habe immer noch meine Tagebücher von damals zuhause stehen. Meine Geschichten und Artikel habe ich fein säuberlich in einen Block geschrieben – bis er voll war und ich einen neuen gebraucht habe.

Heute ist sowas fast unvorstellbar. U-Bahn fahren ohne auf das Smartphone zu schauen und durch den Facebook Feed zu scrollen ist heute fast zu einer Unmöglichkeit geworden. Beobachtet doch mal, wie sich die Menschen in der Öffentlichkeit verhalten. Selbst, wenn sie nebeneinander sitzen, liegt mindestens ein Handy am Tisch oder ist in der Hand. Es wird getagged, geshared und geliked, was das Zeug hält. Und wozu? Ja wozu dient das ganze, nicht reale, Kräftemessen?

Es geht um Glück. Facebook hat mir mein Glück gestohlen und mich auf Drogen gesetzt. Wären wir in Amerika, könnte man das sicherlich irgendwie einklagen. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass wir alle den Drang zur Mitteilung und die Droge Glück gelernt haben. Aber nicht in der realen Welt. Nur in den sozialen Netzwerken. Dort traut man sich, eine Stimme zu haben und schnell mal was Unüberlegtes zu schreiben. Wenn man dafür keine Likes bekommt dann kann man es ja…klick…löschen. Soll so unsere Zukunft aussehen?

Facebook war nur der Anfang

Wie geht es weiter in einer Welt, in der die Menschen an Bildschirmen kleben, in denen Menschen für Likes (!!!) Geld ausgeben und sich so ein bisschen mehr Glück erkaufen wollen. Wie kann es weitergehen in einer Welt voller Mobbing und Hater, Fakenews, Likes, Follower und Instagram-Stories? Ich glaube, dass Facebook erst der Anfang war und da noch sehr viel mehr auf uns zukommt. Und ehrlich gesagt habe ich ein bisschen Angst davor. Die Zukunftsaussichten sind nicht gerade rosig, wenn die Menschen nur noch ein Leben vorspielen, sich nicht mehr ansehen und nur noch via ein Kästchen voller Informationen kommunizieren. Ist das in unserer Evolution so vorgesehen? Kann man das verantworten? Ich glaube nicht. Und ich glaube, das uns die Generation Facebook noch ordentlich in die Scheiße reiten wird.

Demokratie und Facebook – die Apokalypse?

Niall Ferguson sagt in einem Interview in der Zeit Online, dass Facebook die Demokratie zerstört, weil Blödsinn gehyped wird und extreme Meinung immer eine größere Verbreitung haben als die gängige Grundmeinung. Erschreckend viele Menschen sehen Facebook als ihre Hauptinformationsquelle. Und das, meine Lieben, ist ein Problem. Ein seeeeeehr großes. Darüber müssen wir definitiv reden und uns nicht einfach wegducken. Es wäre schön, wenn auch die Politik hier mal ein Wort sagen würde und sich nicht ohnmächtig und untätig vor den großen Konzernen gibt. Es würde schon reichen, wenn man in der Bildung nur ein bisschen mehr in Quellenbewertung und Recherche investieren würde. Damit die Kinder schon wissen, dass man nicht alles glauben darf, was im Internet steht. Ich wünsche mir einfach sosososo sehr, dass Facebook endlich mal wieder zu seinem Ursprung zurückkehrt und nicht ständig das Leben schwerer macht, meine Zeit stiehlt und mit meinen Daten handelt.

Pipifeine Grüße,
Sophie

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